SVZ - 21. Januar 2014
Foto: Holger Glaner
GADEBUSCH Wenn schon nicht die Stadt Gadebusch auf der Grünen Woche in Berlin vertreten ist, so macht zumindest Holger Hempel von der „Station Burgsee“ Appetit auf eine kulinarischen Entdeckungsreise nach Mecklenburg. In der MV-Halle servierte der Gadebuscher in historischer Bahnhofsuniform frisches Saiblingsfilet auf Serano-Schinken gebraten mit Püree in Schalotten-Rotweinsoße. Noch bis zum 26. Januar präsentieren sich 80 Aussteller aus MV auf der größten Messe der Ernährungswirtschaft.
mica
SVZ - 10. August 2013
Musiker Hans-Eckhardt Wenzel spielt in Gadebusch.
Foto: Iris Weiß
GADEBUSCH Das Burgseerestaurant im alten Bahnhof war am Freitagabend rappelvoll. Rund 120 Gäste kamen, um im ehemaligen Bahnhofsgebäude den Berliner Künstler Hans-Eckhardt Wenzel zu erleben. Ein vielseitiges Talent, das sich als Sänger, Musiker, Autor, Komponist, Narr, Theatermacher und Regisseur in keine Schublade stecken lässt. Wenzel erhielt den Liederpreis 2013 und kann bei seinen Auftritten aus einem Repertoire von über 30 CD’s schöpfen.
Er selber war vor rund zweieinhalb Jahren begeistert von dem Gadebuscher Bahnhofsprojekt. „Es ist so traurig, wenn man mit der Bahn fährt und den Verfall der schönen alten Bahnhofsgebäude sieht“, erzählte er. Und weil er sich über die Umnutzung und die damit verbundene Sanierung in Gadebusch so freute, gab er auf der Baustelle sein erstes Konzert.
Am Donnerstagabend war er zum vierten Mal in der Station Burgsee und sang Lieder aus seinem neuesten Album. Die Gäste hat es erfreut. „Wir haben ihn im Herbst in Gadebusch schon einmal gehört, kannten den Veranstaltungsort noch nicht und fanden beides sehr imposant und ansprechend“, erzählte Bernd Linstädt aus Dahlhausen in der Prignitz. Auch Peter Richter aus Wismar hat keine Mühe gescheut. Mit dem Fahrrad fuhr er extra nach Gadebusch. Unter den Gästen weilte auch Gabriele Schröder aus Wakenstädt: „Ich mag seine Lieder und Texte.“ Die Rehnaer Karin und Wolfgang Meyer waren einfach gespannt „ihn kennenzulernen“. Sie kamen auf Empfehlung eines Freundes in die Nachbarstadt. Kulturelle Höhepunkte wird es weiterhin im alten Bahnhof von Gadebusch geben. „Es gibt allerdings kein festes Programm. Die Veranstaltungen werden spontan organisiert“, verriet Inhaber Holger Hempel. Iris Weiß
SVZ - 25. Juni 2013
Nadine Miller (4.v.l.) nimmt die Plakette von Susanne Hofmeister vom Amt für das Biosphärenreservat entgegen. Verlängert wurde die Partnerschaft mit Bäckermeister Ulrich Klug (l.), Schäfer Detlef Mohr (3.v.l.), Catrin Schult vom Ziegenhof Rögnitz (4.v.r.) und Physiotherapeutin Gabriele Kardoff (r.). Zur Jury gehören Christine Ilic (m.) und Astrid Winkelmann (2.v.r.). Ebenfalls auf dem Foto ist Robert Götte (2.v.l.), seit Juli 2012 Koch im Restaurant "Station Burgsee".
Fotos: Hans Taken (2)
GADEBUSCH Wer mit der Regionalmarke „Für Leib und Seele“ des Biospährenreservates Schaalsee-Amtes werben will, der braucht manchmal einen langen Atem. Die Liste der zu erfüllenden Auflagen ist lang, die Kontrollen der regionalen Jury, die letztlich die Vergabe absegnet, streng. Vor gut einem Jahr hat sich Restaurant-Betreiberin Nadine Müller von der „Station Burgsee“ um die Partnerschaft bemüht – und gestern gab es die Plakette.
Kindergerichte gehören auf die Speisekarte und mindestens zwei Speisen mit regionalen oder biologischen Hauptbestandteilen müssen ebenfalls angeboten werden. Dazu Einhaltung von Umweltstandards, wie beispielsweise Nutzung von Recyclingpapier oder Energiesparlampen, saubere Sanitäranlagen, gepflegte Außenanlagen und ein guter Gesamteindruck – um die Mindestzahl von 25 Punkten zu bekommen, schauen Jurymitglieder wie Christine Ilic oder Astrid Winkelmann genau hin. Das Punktekonto des Restaurants „Station Burgsee“ ist jetzt über Soll. Und so überreichte Susanne Hoffmeister, Sachgebietsleiterin Regionalentwicklung im Amt für das Biosphärereservat Schaalsee, Plakette und Urkunde an die Restaurant-Chefin. „Damit haben wir jetzt insgesamt 78 Partner. Angefangen haben wir 1998 mit drei“, sagt Susanne Hoffmeister. Fast von der ersten Stunde an dabei sind Bäckermeister Ulrich Klug aus Gadebusch und Catrin Schult vom gleichnamigen Ziegenhof in Rögnitz. Beide waren gestern auch zum Bahnhof gekommen, um ihre Verlängerungsurkunden für ihre Partnerschaft entgegen zu nehmen. Auch Detlef Mohr von der Schnuckenschäferei in Klein Salitz und Physiotherapeutin Gabriele Kardoff erfüllten einmal mehr die Auflagen für eine Verlängerung. „Bei diesen Verlängerungen müssen unsere Partner jedoch auf mindestens 35 Punkte kommen. Wir wollen damit erreichen, dass sich Qualität, Umweltfreundlichkeit und Regionalität auch ständig weiter entwickeln“, so Hoffmeister. Die Sachgebietsleiterin war gestern auch noch in Waschow, um für den südlichen Teil des Biosphärenreservates Verlängerungsurkunden auszugeben. Gastgeber dort war die Familie Zieger, die den Hof Schaalsee bewirtschaftet und sich auf die Zucht einer französischen Rinderrasse spezialisiert hat.
Gemeinsames Anliegen der Biosphärenreservatspartner ist es, die Schönheit und den Wert der Schaalseelandschaft zu erhalten und gleichzeitig für Bewohner und Gäste erlebbar zu machen. Die Plaketten gibt es beispielsweise für Ferienwohnungen, Gaststätten, Höfe und Hofläden, Kunsthandwerker oder touristische Angebote.
Hans Taken
Im Alten Bahnhof Gadebusch ist das Restaurant "Station Burgsee" zu Hause.
SVZ - 01. Juni 2013
Einmal Karl-Marx-Stadt bitte: Peter Falow hält eine Fahrkarte in der Hand, die der betagte Fahrkartendrucker in Gadebusch noch herstellen kann.
Fotos: Hans Taken (5)
Der kleine Tisch mit den Eisenfüßen hat schon weit über 100 Jahre seinen Dienst verrichtet und all das auf seiner Holzplatte getragen, was in einer Eisenbahn-Fahrkartenausgabe alles so gebraucht wird. Stempel nebst Kissen, Kurbeltelefon, Uhr, Locher und Lampe. Diese Gegenstände sind im alten Bahnhof Gadebusch zwar nicht mehr in Betrieb, aber als Ausstellungsstücke passen sie hervorragend in das kleine Eisenbahnmuseum.
„Es ist wahrscheinlich das kleinste Eisenbahnmuseum Mecklenburgs“, sagt Peter Falow. Der Schweriner ist Freizeithistoriker für Verkehrsgeschichte und die meisten seiner 78 Lebensjahre hat er mit der Eisenbahn zu tun gehabt. Mitte der 1950-er Jahre hat er seine Lokführerausbildung gemacht und beim Bahnbetriebswerk Schwerin gearbeitet. Erst als Lokführer, dann als Fahrlehrer für Lokomotiven, später als Kontrolleur und danach im Marketing für Traditionsfahrten. Vor 18 Jahren ging er in den Ruhestand, doch Ruhe, die gönnt er sich selten, denn er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Eisenbahngeschichte lebendig zu halten.
Deshalb stand Peter Falow auch 2011 beim Tag des offenen Denkmals vor dem alten Bahnhof in Gadebusch, dessen Dornröschenschlaf in dieser Zeit zu Ende ging. Holger Hempel hatte sich des ausrangierten Gebäudes angenommen, um dort unter anderem eine neue gastronomische Einrichtung für Gadebusch aufzubauen. „Und da stand plötzlich dieser ältere Herr vor mir, der alles über die Eisenbahnstrecke Rehna-Schwerin wusste“, sagt Holger Hempel. Zwischen den beiden Männern entstand eine Partnerschaft und auch die Idee, im alten Fahrkartenschalter ein kleines Museum einzurichten. Jetzt gibt es auf rund neun Quadratmetern im 1897 gebauten Bahnhof ein Stück Zeitgeschichte hinter dem Schalterglas zu sehen, vor dem früher die Reisenden standen, um ihre Tickets zu kaufen.
Originalstücke aus dem alten Bahnhof Gadebusch waren kaum ausfindig zu machen, deshalb besteht die kleine Sammlung aus dem Fundus von Peter Falow „und aus dem Nachlass eines Freundes und Hobby-Historikers aus Hamburg“, sagt Peter Falow. An einer Wand steht ein alter, schwerer Fahrkartendrucker. „Wohin soll die Reise gehen?“, fragt Eisenbahnfreund Falow, legt ein Pappstück ein und druckt eine Fahrkarte mit der Aufschrift „Wittenburg (Meckl.) Karl-Marx-Stadt über Ludwigslust-Wittenberge“. Die betagte Maschine kann viele Fahrkarten lösen, kann mit Druckplatten bestückt werden, auf denen Ziele stehen, die längst nicht mehr in Betrieb sind. „Bruel, Warin, Weitendorf oder Sternberg“, nennt Peter Falow nur einige von ihnen.
Auch wenn es nicht im kleinen Museum hängt – der Fahrplan, der rechts in einem Schaukasten der Eingangshalle hängt, trägt das Datum 1. October 1899. „Das Stück ist bei Malerarbeiten im Verwaltungsgebäude der Reichsbahndirektion Schwerin hinter Tapeten aufgetaucht und wurde Makulatur geklebt“, weiß der Freizeithistoriker, der auch das Schweriner Eisenbahnmuseum mit aus der Taufe gehoben hat.
„Hier sieht es ja aus wie früher“, hat vor kurzem eine ehemalige Fahrkartenverkäuferin gesagt. Das hören Peter Falow und Holger Hempel gerne, denn so soll es ja auch sein.
Hans Taken
Eine adrette Sekretärinnenuniform kleidet diese Schaufensterpuppe.
Keine Verbindung mehr - ein altes Kurbeltelefon gehört auch zur Ausstellung.
Dieser Fahrplan von 1899 hängt in der Empfangshalle des Bahnhofs.
Bahnhofsbesitzer Holger Hempel (st.) und Peter Falow in der Fahrkartenausgabe.
SVZ - 23. Mai 2013
Holger Hempel im neu eingerichteten Hochzeitszimmer in der Station Burgsee. FOTO: MXHE
GADEBUSCH Wenn es nach Holger Hempel ginge, könnte es sofort losgehen: Dann könnte schon heute das erste Brautpaar auf den mit violettem Samt bezogenen Stühlen Platz nehmen, der Standesbeamte ihm gegenüber an dem schweren Holztisch, der mit silbernen Kerzenleuchtern und Rosengestecken dekoriert ist. Dann könnte schon heute das erste Paar im neu eingerichteten Hochzeitszimmer im historischen Bahnhofsgebäude getraut werden.
Holger Hempel, Besitzer des alten Bahnhofs, ist vorbereitet – und muss sich trotzdem noch gedulden: In rund sechs Wochen wird sich das erste Paar in der Station Burgsee das Ja-Wort geben können. „Vom 1. Juli an kann dort geheiratet werden“, bestätigt Amtsvorsteher Rico Greger. Davor stehe noch eine Überprüfung durch die Standesamtsaufsicht des Landkreises. „Hier wird geschaut, was noch verändert werden muss, um den für Hochzeiten notwendigen Rahmen zu bieten.“ Dabei, betont Greger, gehe es jedoch nur noch um Kleinigkeiten. „Die grundsätzliche Entscheidung liegt im Ermessen des Amtsvorstehers. Und ich habe meine positive Bewertung bereits Ende letzten Jahres abgegeben.“
Es ist das vorläufige Ende eines lange währenden Streits: Seit mehr als neun Monaten diskutieren Amtsausschuss, Amtsvorsteher und Amtsverwaltung darüber, ob es möglich sein sollte, im alten Gadebuscher Bahnhof Trauungen anzubieten (wir berichteten). Anfang des Jahres hatte Amtsvorsteher Greger schließlich mit einem Machtwort für Klarheit gesorgt. „Ich stehe nach wie vor voll hinter der Idee“, betont er auch jetzt. „Das ist eine tolle Sache. Wenn eine Gemeinde ein solches Angebot machen kann, sollte sie dies auch tun.“
Für Holger Hempel bedeutet der Startschuss am 1. Juli vor allem eins: Das Ende monatelanger Ungewissheit und langer Diskussionen. „Ich bin überzeugt, dass alle von diesem Angebot profitieren würden. Deshalb sollte man doch auf Unterstützung hoffen und nicht auf Gegenwind“, sagt er. Rund 6000 Euro hat Hempel in Möbel und Ausstattung seines Hochzeitszimmers investiert. Und schon jetzt gebe es etliche Anfragen von Paaren, die in seinem sanierten Bahnhof mit Blick auf den Burgsee heiraten wollen – wenn auch die romantische Euphorie so manches Paares einen ernüchternden Dämpfer erhalten haben soll. „Ich habe gehört, dass sich bereits Paare beim Standesamt direkt nach der Möglichkeit erkundigt
haben sollen, in der Station Burgsee zu heiraten und dass ihnen gesagt worden sei, dass das nicht möglich ist“, so Hempel. „Ich habe da wirklich das Gefühl, boykottiert zu werden“, ärgert sich der Unternehmer.
Mit dem Verweis auf „Verwaltungsinterna“ wollte Amtsvorsteher Rico Greger zu möglichen Vorbehalten innerhalb der Verwaltung keine Stellung beziehen. Bereits im Januar hatte Greger jedoch erklärt, dass man sich in Gesprächen darauf geeinigt habe, eine Stelle, die eigentlich wegfallen sollte, zu erhalten. „Dadurch haben wir künftig auch die Kapazitäten, um das Angebot des Standesamtes zu erweitern“, so Greger damals.
Allerdings: Wie stabil der Frieden rund um das Hochzeitszimmer in der Station Burgsee ist, wird sich erst noch zeigen. Andreas Lausen, Leitender Verwaltungsbeamter und erklärter Gegner des Vorhabens, wollte sich gestern weder zur möglichen Realisierung des Angebots noch zum geplanten Ablauf innerhalb des Standesamtes äußern. „Ich sage dazu nichts. Wenn Herr Greger und Herr Hempel sich dazu äußern, ist das ihre Sache.“
Maxine Herder
SVZ - 27. September 2012
Freie Fahrt zur Station Burgsee: Peter Falow und Nadine Miller bereiten das Bahnhofsfest für den 7. Oktober in Gadebusch vor.
volker bohlmann
Mit der Eisenbahn in die Zukunft. Das wollen die Gadebuscher und der Förderkreis historischer Eisenbahnuniformen am Sonntag, 7. Oktober, anlässlich des 115-jährigen Bestehens der Eisenbahnstrecke Schwerin-Rehna demonstrieren. Die Inbetriebnahme der Strecke erfolgte am 12. Oktober 1897 und hat heute wie am Eröffnungstag noch die Option eines Lückenschlusses und somit die Chance, direkt an den Wirtschaftsraum Hamburg angekoppelt zu werden.
Am Festtag wird an die historische Stunde erinnert. In Zusammenarbeit mit dem Restaurant "Station Burgsee" und des Förderkreises wird nun ein Fest in und um die frisch sanierte Bahnhofsanlage von Gadebusch vorbereitet. Einen dampfgetriebenen Sonderzug von Schwerin nach Gadebusch wird es nicht geben. "Dafür stellen wir die Geschichte der Bahn anhand zahlreicher historischer Uniformen dar", sagt Peter Falow vom Freundeskreis historischer Eisenbahnuniformen. Ganz ohne Dampf geht es dann doch nicht. Für Kinder besteht die Möglichkeit, mit einer Miniaturausgabe einer Bahn unter Dampf das Areal zu erkunden.
Nicht fehlen dürfen an solch einem Tag die regionalen Kulturgrößen. Dazu gehören die Rehnaer Plattsnacker mit dem Stück "De Hosen" am Originalfahrkartenschalter im Dienstgebäude. Sie erinnern an Rudolf Tarnow, einen der bedeutendsten mecklenburgischen Dichter. Auch Fritz Reuter wird nicht vergessen, betont Falow, denn "die erste Lok, die 1897 die Strecke befuhr, trug den Namen ,Triddelfitz'", eine Figur aus Reuters Werken. Auch der Klosterverein Rehna unternimmt eine "Zeitreise", um die Ankunft des ersten Dampfrosses auf der Strecke bei Blasmusik zu feiern.
Besucher haben die einmalige Chance auf einem historischen Fahrkartendrucker ihre Fahrscheine ausgeben zu lassen, während Kinder auf Stelzen laufen, sich im Ringwurf üben und weitere Familienspiele ausprobieren dürfen. Echte Eisenbahnenthusiasten dürfen am Bahnhof von Gadebusch sich sogar Träume erfüllen und für ein Erinnerungsfoto in eine Eisenbahneruniform schlüpfen, während der Freundeskreis historischer Uniformen eine Schau veranstaltet. "Alle Besucher sind eingeladen, ebenfalls in an die Zeit angepasste Kleidung zu erscheinen", sagt Nadine Miller.
Wer weitere Details der Dampfrosszeit in Erfahrung bringen will, der ist bei Peter Falow genau richtig. Im Saal der Station Burgsee ist am Festtag eine Dokumentation mit historischen Fotos der Bahnhöfe und der Strecke sowie ein
Beamervortrag ausgestellt. Ehemalige Eisenbahner wollen in lockerer Runde über Erlebnisse ihrer Dienstzeit plaudern. Mit Sicherheit werden auch überlieferte Geschichten aus der Nacht vor Abfahrt des ersten Zuges zum Besten gegeben. Als der Postillion in seiner Kutsche die letzten beiden Fahrgäste von Schwerin in Richtung Gadebusch mitnahm und zum letzten Mal das Posthorn erklang. "Es gibt eine Reihe von Überlieferungen", so Falow. Sein Herz schlägt für die Bahn und seit einiger Zeit besonders für den Gadebuscher Bahnhof. Er lobte gestern bei der Vorstellung des Programms die Initiative von Holger Hempel, den Bahnhof als "Teil unserer Kultur" zu erhalten. Eine Initiative, die unter anderem zur Einrichtung eines kleinen Museums im Bahnhofsgebäude führte und der Stadt Gadebusch am 7. Oktober von 10 bis 17 Uhr ein Fest anlässlich der Inbetriebnahme der Bahnstrecke beschert.
SVZ - 24. Oktober 2012
Ob im Wasserturm, einem Fußballstadion oder auf einer Seebrücke - Verliebte können auch abseits eines Standesamtes heiraten. In Norddeutschland könnte bald ein bislang einmaliger Ort für Trauungen hinzukommen: das historische Bahnhofsgebäude mit Blick auf den Gadebuscher Burgsee.
Während Stadtvertreter ein derartiges Vorhaben unterstützen, tritt ein Teil der Amtsverwaltung auf die Romantikbremse und will das Vorhaben "aus Gründen im organisatorischen Bereich" stoppen. "Ich bin gegen einen Wanderzirkus beim Standesamt (...) Ich sehe keinen Vorteil. Wir müssen im Amt unsere Mitarbeiter rationell einsetzen", sagte der Leitende Verwaltungsbeamte, Andreas Lausen, in der jüngsten Sitzung des Amtsausschusses. Er positionierte sich klar gegen "Trauungen mit Event-Charakter" und verwies zudem auf eine Stellungnahme der Standesamts-Aufsicht des Landkreises. Darin werde davor gewarnt, weitere Standorte aufzumachen, da Berufungsfälle beispielsweise durch Gastronomen unvermeidlich seien.
Die Argumente Lausens lösten beim Besitzer des Gadebuscher Bahnhofs, Holger Hempel, Kopfschütteln aus. Denn wie stark das Interesse an Hochzeiten mit einem in Norddeutschland einmaligen Ambiente ist, sei bei der jüngsten Hochzeitsmesse in Schwerin deutlich geworden. "Der Andrang am Messestand war enorm. Wir hatten Anfragen aus Hamburg, Ludwigslust und anderen Städten. Immer wieder war zu hören, dass das Heiraten in einem historischen Bahnhofsgebäude etwas Einmaliges und traumhaft Schönes wäre", so Hempel. Der Gadebuscher macht auch klar, dass Unternehmen der Tourismusbranche wie das Hotel "Christinenhof" und das Hotel "Schloss Wedendorf" von Übernachtungen profitieren könnten.
Nicht nur Hempel ist von einem kaum bezahlbaren Werbeeffekt für die Region Gadebusch überzeugt, sondern auch Bürgermeister Ulrich Howest. Er spricht von einem wichtigen Ziel, das von der gesamten Stadtvertretung verfolgt werde.
Howest konnte nach einer teilweise hitzig geführten Debatte, bei der die Öffentlichkeit, zeitweilig ausgeschlossen wurde, die Mehrheit des Amtsausschuss hinter sich bringen. Ergebnis: Das Gremium empfiehlt Amtsvorsteher Rico Greger, die personellen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen zu prüfen, damit baldmöglichst Eheschließungen im Bahnhof durchgeführt werden können.
Ob die Signale für Brautpaare an der Station Burgsee auf Grün gestellt werden, will Greger in den nächsten Wochen entscheiden. Er wolle zunächst noch einmal u. a. mit dem Hauptausschuss der Gadebuscher Stadtvertretung und mit Bahnhofs-Besitzer Holger Hempel sprechen. Klar ist für Greger aber schon jetzt: "Ich werde die Entscheidung auf keinen Fall delegieren." Theoretisch hätte Greger genau dies tun können. In solch einem Fall wäre die Sache auf den Tisch des Leitenden Verwaltungsbeamten Andreas Lausen gekommen. Auf SVZ-Anfrage kündigte Greger gestern an: "Noch in diesem Jahr werde ich die Entscheidung trefen. Wir werden eine Lösung finden, mit der wir alle leben können."
Der Leitende Verwaltungsbeamte Andreas Lausen (Mitte) stellt sich gegen Pläne der Stadt Gadebusch, wonach Trauungen im Bahnhof möglich werden sollen. Lausen wörtlich: "Ich bin gegen einen Wanderzirkus beim Standesamt." Michael Schmidt